Faktencheck

Papierberge und Plastikmeere wegen Werbepost? Falsch!
Hier erklären wir, warum das nicht stimmt.

Die Druck- und Papierindustrie wird oft mit Behauptungen konfrontiert, die nicht auf Tatsachen, sondern auf Vorurteilen beruhen. Fakt ist: Die Branche arbeitet sachlich. Hier stellen wir unseriösen Behauptungen fundierte Fakten entgegen.

Warum bei gängigen Vorurteilen ein Umdenken angesagt ist

Wir sagen: Falsch!

Werbe- und Informationspost wird vornehmlich auf Altpapier gedruckt. In der Papierindustrie betrug die Einsatzquote von Altpapier im Jahr 2019 78 %.1

Gemäß der TU Darmstadt können Papierfasern bis zu 10-mal recycelt werden.

Das Stammholz ausgewachsener Bäume ist zu wertvoll und zu teuer für die Papier­ und Druckindustrie. Es wird vor allem für Häuser und Möbel verwendet. Frischfasern für Papier kommen ganz überwiegend aus Durchforstungsholz und Sägewerksabfällen.

In den Fällen, in denen Plastik eingesetzt wird, handelt es sich um perforierte Folie, die im Recyclingprozess vom Papier getrennt und ebenfalls fachgerecht recycelt wird.

Der Wasserverbrauch für die Herstellung von Werbe- und Informationspost, die ein Haushalt in einem Jahr erhält, entspricht einer Minute Händewaschen pro Haushalt im Jahr.2

Die Energie für die Herstellung von Werbe- und Informationspost, die ein Haushalt in einem Jahr erhält, entspricht 0,2 Liter Heizöl.3

  1. Bifa Umweltinstitut 2020
  2. vdp/bvdm-Umweltkennzahlen Offsetdruck; Wasser Praxis, ein praktischer Leitfaden
    zum Wassersparen
  3. vdp/bvdm-Umweltkennzahlen Offsetdruck; https://www.energie-umwelt.ch/elektrizitaet/1147

Wir sagen: Falsch!

Ablagen von Werbe- und Informationspost in Hausfluren sind Einzelfälle: Verlage beauftragen Agenturen, die die Qualität der Zustellung überprüfen. Auch die Zustellerinnen und Zusteller werden entsprechend geschult.

Bei Verstößen – wenn trotz „Keine Werbung“-Aufkleber Werbepost im Briefkasten landen – können sich Bürgerinnen und Bürger an die Verbraucherzentralen wenden.

Wir sagen: Falsch!

Laut einer 2020 durchgeführten Studie der IFH Köln lesen 94 % der Empfänger von Werbe- und Informationspost diese gelegentlich, 75 % sogar wöchentlich.1

Laut unserer Civey-Umfrage schauen sich insbesondere Menschen ab 65 Jahren häufig Werbe- und Informationspost an, da diese eine wertvolle Unterstützung in ihrer Einkaufsplanung darstellt.2

Dank ihrem zivilgesellschaftlichen Nutzen ist Werbe- und Informationspost eine relevante Informationsquelle für alle Bürgerinnen und Bürger in Städten und Kommunen.

  1. IFH Köln in Zusammenarbeit mit MEDIA Central, „Der Prospekt als Markenbotschafter“,
    2020, S. 6
  2. Repräsentative Civey-Umfrage, 2021

Wir sagen: Falsch!

Da in Amsterdam die Papier-Kreislaufwirtschaft (Blaue Tonne), anders als in Deutschland, nicht besteht, hinkt der Vergleich. Amsterdam hatte ein Mülltrennungsproblem, das in Deutschland nie bestand. Die Stadt hat also ein Problem gelöst, das wir gar nicht haben.

Werbe- und Informationspost wird überwiegend aus Altpapier hergestellt, das bis zu rund 10-mal recycelt werden kann. Altpapier ist somit kein Müll, sondern ein wichtiger Rohstoff, aus dem Bücher, Zeitungen, Broschüren, Schreibblöcke, Kopierpapier, Tapeten, Verpackungsmaterial oder sogar Hygienepapiere hergestellt werden.1

  1. TU Darmstadt, Prof. Dr.-Ing. Samuel Schabel, Fachgebiet Papierfabrikation
    und Mechanische Verfahrenstechnik

Wir sagen: Falsch!

Nicht-adressierte Werbepost kann aufgrund des bewährten Opt-Out-Systems passiv konsumiert werden, digitale Angebote müssen hingegen aktiv aufgesucht werden. Deshalb verhindert gedruckte Werbe-und Informationspost lokale Informationslücken.

Bei einer Umstellung auf eine Opt-In-Regelung oder gar rein digitale Lösungen wären viele Menschen, insbesondere Personen mit eingeschränktem Zugang zu digitalen Endgeräten (zum Beispiel ältere Menschen), von wichtigen Informationen in ihrem direkten Umfeld abgeschnitten. Laut unserer mit Civey durchgeführten Umfrage bevorzugen 85 Prozent der Bevölkerung daher gedruckte statt digitale Werbepost.1

Auch unter Werbenden herrscht mehrheitlich Konsens: 72 Prozent sagen, dass es ohne Werbepost im Briefkasten nicht geht, und würden deshalb bei einer Opt-In-Regelung nicht auf digitale Werbung umstellen.2

Hinzu kommt: Gemeinnützige Akteure, wie Kirchen, Vereine oder Bildungsträger, würden durch die Umstellung auf Opt-In einen zentralen Distributionskanal für ihre Informationen verlieren. Denn um auf digitalem Wege auf sich und seine Aktionen aufmerksam zu machen, fehlt es ihnen häufig an finanziellen Ressourcen und Zugängen zu Empfängerinnen und Empfängern.

Im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) ist der gedruckte Prospekt mit einem Werbebudgetanteil von gut 50 % Leitmedium im Media-Mix. 70 % der befragten Marketingverantwortlichen des LEH halten den Prospekt auch künftig für unverzichtbar, weil er effektiv ist, eine große Reichweite hat und ein umfangreiches Produktangebot auf einen Blick präsentieren kann.3

1,2. Repräsentative Civey-Umfrage, 2021
3. EHI-Studie Stationärer Einzelhandel Deutschland 2021

Wir sagen: Falsch!

In der Civey-Umfrage geben 75 Prozent der Haushalte an, mit dem bestehenden Opt-Out-System zufrieden zu sein. Dieses sieht vor, dass alle Bürgerinnen und Bürger Werbe- und Informationspost auf freiwilliger Basis empfangen. Wer das nicht möchte, kann die Zustellung mit einem „Bitte keine Werbung“-Aufkleber am Briefkasten auf einfache Weise zurückweisen.1

Insbesondere beim Online-Shopping sind Impulskäufe stärker ausgeprägt – das Produkt ist häufig nur einen Klick entfernt. Werbepost hingegen leistet Orientierungshilfe und bietet Vergleichsmöglichkeiten in einer überbordenden Konsumwelt. Werbepost informiert über Sonderangebote und Aktionen, damit können Konsumentinnen und Konsumenten ihre Einkäufe gezielt im Geschäft tätigen – und damit Geld und Zeit sparen.

  1. Repräsentative Civey-Umfrage, 2021

Unser Factsheet

Hier lesen Sie die wichtigsten Fakten unserer Initiative auf einen Blick.

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